dieser Vorrang des genetivischen Bezuges vor dem späteren accustivischen bedeutet, läßt Sich nicht ohne weiteres und vor allem jetzt noch nicht erläutern. (Das Ereignishafte — statt des willentlich be-wirkenden und activ bearbeitenden.) Wir achten zuvor auf anderes. Es fällt auf, daß in den angeführten Sätzen »ergetzen« inhaltlich auf Mühe und Leid bezogen ist. Daher könnte man meinen, es bedeute soviel »vergessen«. Aber »ergetzen« bedeutet29 »erfreuen« und dies in dem hohen Sinne, daß die Freude unser Wesen im Ganzen verklärt, ins Klare aufhellt und ins Lichte hebt. Wir nennen dieses Lichte und Offene, worein wir im erfreuten (ergessenen) befreit, werden: das Heitere. Das erfreuen ist aufheitern in die Heitere, aus der uns alles in seinem unverhehlten Wesen entgegenstrahlt, weil es da im eigenen Wesen ruhen darf. »Ergetzen« ist Befreien zum Heiteren und deshalb zugleich befreien von der Verdüsterung und alles verstellenden Finsteren. Einen des Leids und der Mühe ergetzen, bedeutet: ihn von der Verdüsterung, die Sich ins Leid und in die Mühe legt, ins Heitere befreien. Wäre das »ergetzen« im Wesen nicht das Aufheitern im Sinne des Lichtens der Heitere, dann gäbe es nichts, wohin überhaupt Mühe und Leid weggenommen und verwandelt werden könnten. Es gäbe keinen möglichen Bezug des »Ergetzens« zu Leid und Mühe. Die Sprache sagt wohlweislich nicht: »das Leid«, »die« Mühe »ergetzen« — weil ja nicht diese selbst aufgcheitert werden, sondern die Sprache sagt: »des Leids, der Mühe sich ergetzen«, weil zugunsten der Mühe und des Leids das Lichte und Offene aufgeschlossen werden, damit der Mensch überhaupt aus der Verdüsterung herausfinden und ins Heiternde gelangen könne. Mühe und Leid verschwinden so nicht, aber ihnen zur Gunst öffnet Sich im »ergetzen« das Lichte.
Wenn aber »ergetzen« (»ergessen«) ist aufheitern in die Heitere als Befreien zum Lichten und Offenen, dann ist »vergessen« die Verheiterung, die die Heitere des Offenen wegnimmt, indem sie
29 [Randbemerkung in Bleistift mit Einfügungszeichen:] als vergessen machen — erheitern