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I. Hinweise zu »Sein und Zeit«

| Zu § 43. Dasein, Weltlichkeit und »Realität«


Mit diesem und dem folgenden§ 44 kommt das Vorgehen in die eigentliche Bahn — aber doch in der Verstrickung, die der bisherige Weg und der fundamentalontologische Ansatz mit sich bringt.

»eigentliche Bahn« — mit all den Vorbehalten, die der Seinsfrage als Seinsverständnisfrage gegenüber zu machen sind.

§ 43 a) Die Seinsverständnisfrage setzt voraus, daß Seinsverständnis »ist« (vgl. unten »Sein und Zeit« S. 207). Das will sagen: es genügt nicht u. a. sich auf »Bewußtsein« zu berufen (Kant und Deutscher Idealismus), sondern die Seinsart des Bewußt-seins ist ebenso wesentlich wie die Auslegung des Bewußthabens — Wissens im Sinne des Vor-stellens!

Nun wird gerade gezeigt[?], daß Seinsverständnis nicht nur im Da-sein vorkommt, sondern wesentlich zu ihm gehört; als Bedingung der Möglichkeit der »Ex-sistenz« im Sinne des Ausgesetztseins zum Seienden!

Die Seinsfrage — wie immer sie jetzt im besonderen gestellt werden mag — gründet in der Ursprünglichkeit des Einsprungs in das Da-sein. Aber die Seinsfrage — kann nur gestellt werden gemäß diesem Einsprung, der eben ein Anfang ist und erst die Eröffnung des Wesens des Seyns gegenüber der bisherigen »Physik« ernötigt!

Schief ist im Paragraphen und im Ganzen die Zuordnung der Möglichkeit der Seinsfrage zur Angemessenheit der Analytik des Daseins.

Hemmend auf das Verfallen der überlieferten Ontologie (Vorhandenheit) (vgl. darüber! oben 2 d). Aber hier scheiden: φύσις — ἀλήθεια —/ ἰδέα —/ οὐσία — δύναμις — ἐνέργεια —/ ὑποκείμενον — substantia — monas — >Objektivität< — Vorhandenheit — außerdem »Realität« im heutigen und im echten Sinne: Zusammenhang! | (Vgl. darüber mehrfach Vorlesungen und Übungen; Kant (W.S. 35/36) [: Die Frage nach dem Ding. Zu Kants Lehre von den transzendentalen Grundsätzen GA 41]; Kantbuch [Kant und das Problem der Metaphysik GA 3].


Martin Heidegger (GA 82) Zu eigenen Veröffentlichungen

GA 82