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I. Hinweise zu ))Sein und Zeit«

Daß »Sein und Zeit« »die Schuld«, »den Tod«, »die Angst«, »das Nichts« in die »Analytik des Daseins« einbezieht, entspringt weder überhaupt einer »Anthropologie«, noch einer besonderen »standpunktlich beschränkten« »Lebens-und Existenzphilosophie«, sondern der Frage nach dem Sinn des Seins selbst. Der Blick auf das Nichtshafte des Seins hat seinen Ursprung keineswegs in einer einseitigen Anthropologie, die nur das Düstere, Negation, Destruktion und Nihilistische aufsucht. Sobald man freilich die Erörterungen über die Schuld und über den Tod für sich nimmt und inzwischen die einzige Frage der Abhandlung nicht mehr bedenkt, gesetzt daß man sie je bedacht hat, dann erscheint freilich alles, was über Schuld und Tod, über die Angst und das Nichts gesagt wird, als willkürlich und einseitig. Man tut so, als werde in »Sein und Zeit« der Anspruch erhoben, eine wissenschaftliche Monographie über das Wesen der Schuld und das Wesen des Todes zu liefern. Man findet jedoch, daß es, am Maßstab dieser unterstellten Absicht gemessen, doch noch andere »Seiten« des »Schuld«-und »Todesproblems« gebe und daß über diese anderen Seiten ja auch noch andere Ansichten möglich und in der Geschichte auch ausgesprochen seien.

In der Tat ist die in »Sein und Zeit« versuchte Besinnung auf die »Schuld«, den »Tod«, die »Angst« und das »Nichts« einseitig. Die Frage bleibt nur noch zu beantworten, nach welcher »einen« Seite hin die Einseitigkeit geht. Diese Seite ist durch das Sein selbst und dessen nichthaftes Wesen bestimmt. Ob man nun diese eine Hinsicht auf das Sein selbst innerhalb einer philosophischen Besinnung noch als »einseitig« im Sinne von >>Unvollständig« und »willkürlich« ausgeben darf, diese Frage müßte für einen Augenblick wenigstens überlegt werden. Vielleicht hat das Unheil, das seit langem über der Philosophie liegt, darin seinen Grund, daß das wesentliche Denken die genannte Einseitigkeit nach der einen Seite, die eben das Einzige und Allem zuvor Zu-Denkende zeigt, nicht mehr kennt und nicht mehr wagt.

Wenn nun gar das Nicht-hafte im Wesen des Seins selbst gründet und keineswegs nur das in sich grundlose Gebilde mensch-


Martin Heidegger (GA 82) Zu eigenen Veröffentlichungen

GA 82