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Aristoteles, Physik Γ 1-3 — Sommersemester 1928

29. Sein und Wahrheit


Vgl. S. S. 2729 — »Sein und Zeit«.

Wenn wir vom Sein des Seienden handeln, dann Seiendes je schon in einer möglichen Bekundung seiend. Mit anderen Worten: Zum Seienden gehört Bekundlichkeit seines Seins. Mit welchem Recht sagen wir das? Weil »Sein an sich« durch Wahrheit bestimmt ist. Sein an sich gibt sich nur, es ist nicht und nie. Bekundlichkeit des Seins aber steht bei der Möglichkeit der Enthüllbarkeit von Sein und Seiendem, bei der Möglichkeit des Welteingangs. Was sich da bekundet, ist das Seiende je an ihm selbst, aber in verschiedenen Stufen der Welteingänglichkeit (vgl. Scheler, »Daseinsrelativität«30). Weil es Sein nur gibt, wird jedes Seiende irgendwelcher Art, wie immer es »gedacht« und genommen sein mag, auch wenn »genommen als« nicht zugänglich, schon mit diesem Moment der Bekundlichkeit gesetzt. Diese Bekundlichkeit besagt: Es kann eingehen in eine Welt, muß es aber nicht. Ob und wie es eingeht, ist Sache des Seins des Daseins. Bekundlichkeit ist Welteingänglichkeit.

Also nicht um Erfaßbarkeit handelt es sich und nicht um die Unabhängigkeit von diesem! Auch was nicht erfaßt ist, kann schon Welteingang haben! Dieser muß möglichst radikal und universal existenziell gefaßt werden! Anders aber überhaupt keine Seinsproblematik möglich (Idealismus!).

Transzendenz: das ursprünglichste Entgegenkommen gegenüber ... , die innere Möglichkeit für dgl.

Weil Dasein faktisch metontologisch abhängig vom Seienden, »Natur« (vgl. Goethe, Natur). Mitten »in« der Natur sind wir ihr fremd! Entgegen-kommen nicht im Erfassen erst, sondern auf Grund der Geworfenheit in ... Dieses ist Voraussetzung, damit


29 Vgl. M. Heidegger, Die Grundprobleme der Phänomenologie, S. 304 ff.

30 Vgl. M. Seheier, Die Formen des Wissens und die Bildung. Bonn 1925, S. 36 (=Gesammelte Werke Band 9: Späte Schriften. Hrsg. v. M. S. Frings. Bern, München 1976, S. 117). Ders., Idealismus -Realismus. In: Philosophischer Anzeiger 2, 1927 /28, S. 269 ff.(= Gesammelte Werke Band 9, S. 196 ff.).

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