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XII Das Wesen des Scheins vom Da-sein her

92. Der Schein (die Leuchte)


Das Sichzeigen, schon bezogen auf ein Vernehmen und dieses in einem Offenen, und das Vernehmende für sich selbst in diesem Offenen als dem, dem sich zeigt.

Das Vor-stellen und gar Subjekt-Objekt-Beziehung trifft den wesentlichen Bestand überhaupt nicht.

Subjekt — Objekt; statt Subjekt eigentlich Ad→jekt, denn Subjekt eigentlich das »hinter« dem Objekt liegende, das auf dem Wege über Descartes zu einem Vorrang kommt, so daß nun das »Objekt« nicht mehr das »Subjektive« sein kann, sondern das Andere, nicht ichliche Subjekt.


Das Scheinen des Scheines hinreichend ursprünglich ausgrenzen, weder auf Gegenstand noch Naturding einschränken, und da sogleich wieder physiologisch-psychologisch nach Empfindungen und Empfinden.



93. Das Scheinen - als Erscheinen


Und das Erscheinen selbst? Wie? Auftreten - wo, als was?

Wie dieser Ansatz sogleich abgleitet. Oder besser, verbleibt im Empfinden der Sinnesgebungen! Nicht herauskommt aus Empfindung und vor allem Subjekt-Objekt; Wahrheit als Richtigkeit!

Und so wird das Geschehnis des Erscheinens (Scheinens) überhaupt nicht entfaltet und vollends nicht gegründet. Ebensowenig, wenn Nietzsche sogleich das Scheinen als Wille zur Macht nimmt vom »Leben« her.

Nimmt man das Erscheinen als Auftreten, An-wesen aus dem unmittelbaren Geschichtlichen (Da-sein), dann Zeug, Ding, Wert - besser [Welt] ; wir haben immer noch keine Auslegung davon, die nicht Abschrift sein kann, sondern selbst schon Gestaltung hat. Die Technik und zugleich die Verblassung.

Die Frage nach der »Kunst« und Kunstwerk.

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