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Überlegungen und Winke III

des »Theoretisierens« geworfen wird, dann wird das zur Unterbindung und Verunstaltung des schöpferischen Geschehens.


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Unzulänglichkeit und Mittelmäßigkeiten lassen sich nicht ausrotten; müssen sogar sein; nur dürfen sie nicht zum verbindlichen höchsten Maßstab hinaufgesteigert werden.


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Der Parlamentarismus des Senats und der Fakultäten ist zwar beseitigt. An deren Stelle aber ist ein Rätesystem getreten, das eine Führung der Hochschule heute noch unmöglicher macht als früher. Die bestimmenden Kräfte, unter sich unverbunden, alle je ohne schöpferisches Grundziel, wirken sich je nach Machtbefugnissen an dem »Objekt« Hochschule aus und zerreiben das Ganze — | oder aber es kommt allenfalls zu einer aufgewärmten und mit allerlei angerührten Suppe.

Die Folge dieses Zustands zeigt sich täglich deutlicher: aus der — nicht als solche erkannten — inneren Hilflosigkeit und Zielarmut heraus, rettet man sich zu zusätzlichen Aufgaben der Hochschulen —; es ist ein blinder Wettlauf der Einzelnen, gleich der Reklamesucht der Kurorte —; die unmöglichsten Dinge werden da angepriesen —; von der Kitschigkeit und Verlogenheit dieses Treibens ganz zu schweigen.


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Nun ist also die »Reichsschaft« der Studierenden gegründet und der »Führer« bestellt. Man hat dazu vorgestern den Führer selbst bemüht. Ahnt die deutsche Studentenschaft etwas von der Verantwortung,

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