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Überlegungen VIII

unmöglich. Und diese Annäherung wurde dann auch rechtzeitig unterbunden.

Allerdings ist auch die innere Möglich keit jener Idee der Dozentenhochschule, wie sie heißen sollte, dahin. Und im Grunde war auch sie nicht entschieden gedacht ; sie — auch sie — entsprang noch der Meinung, durch ein — wenn auch mittelbares und lang wartendes — Eingreifen Wesentliches erwirken zu können. Auch hier noch »die Wissenschaften« zu sehr von innen gesehen, statt in ihrer ausschließlichen Zugehörigkeit zum Zeitalter, was für die Philosophie nur noch einen Weg offen läßt: das Vorbeigehen. Über die Wissenschaften wird entschieden. Philosophie jedoch — selten ist sie und kaum erkennbar — entscheidet; das will sagen : sie entfaltet Entscheidungen nicht beliebiger Art über beliebige Gegenstände - sie entfaltet die wesentlichen Entscheidungen des Wesentlich Entscheidungshaften — was sich zunächst - d. h. die ganze Geschichte der Metaphysik hindurch — nur als Unterscheidung des Seienden und der Seiendheit bekundet — ja nicht einmal diese Unterscheidung wird als eine solche begriffen; das hieße ja schon : Besinnung auf ihren Ursprung aus der Entscheidung (Ereignis) und dies bedeutete : Ende der Metaphysik im Sinne des ersten entschiedenen Übergangs.

Eine Folge des Entscheidungscharakters der Philosophie zeigt [52] sich in der Möglichkeit der »Kritik« im Sinne Kants. | Sie bewegt sich freilich nur auf dem selbst ungegründeten Boden der Unterscheidung von Seiendem und Seiendheit im Sinne der neuzeitlichen Auslegungen des Seins als Gegenständlichkeit. Kaum daß die ursprüngliche Einheit des Grundes der Unterscheidungsmöglichkeit (die transzendentale Einbildungskraft) in ihre Wurzel verfolgt wird (vgl. Kantbuch6) . Im Bezug der Philosophie zu den Wissenschaften ist es noch ein falscher Nachklang der transzendentalen Fragestellung, wenn überhaupt versucht wird, durch eine unmittelbare Philosophie der Wissenschaften — ihrer Verfassung und deren Bedingungen - Wesentliches hinsichtlich der


6 [Martin Heidegger: Kant und das Problem der Metaphysik (1929). GA 3. Hrsg. von Friedrich-Wilhelm von Herrmann. Frankfurt am Main 1991.]


Martin Heidegger (GA 95) Überlegungen VII-XI (Schwarze Hefte 1938-39)

GA 94