Entscheidung steht. Was sich da andrängt in politischen Machtgestalten ist unser eigenes neuzeitlich abendländisches Wesen: Humanität, Nationalität, Bestialität – sind die Wesensstufen der Entfaltung der Subjektität (vgl. ob. 61), die sich in der Brutalität des Willens zum Willen vollendet. Grillparzers Wort (angeführt bei Carl Burckhardt, Gestalten und Mächte20, S. 227) dürfen wir heute ergänzen, um die innere Folge der Zeitalter der Neuzeit noch deutlicher zu erkennen in ihrem Grundzug: »Von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität in die Brutalität.« Kennzeichnend auch, daß hier lauter römische Namen sprechen.
Das Unscheinbare der anfänglichen und deshalb sich niemals selbst benutzenden Überlegenheit im Wesen der geschichtlichen Bestimmung des nicht völkischen Volkes: das Nichtachten auf die ungemäße äußere Gegnerschaft der Anderen. Solches Nichtachten | entspringt aus der Bedachtsamkeit auf das ratende Deuten 68 des Seyns in der festgefügten Sage des ungesprochenen Wortes.
Daß keine Lehre und kein Denken zurückbringt, was verloren ist.
Aber was ist verloren? Was können wir verlieren? Nur das, was wir nicht haben. Was aber haben wir nicht? Dasjenige, dem wir selbst nicht gehören – weil wir von ihm verlassen – ihm nicht gelassen sind.
Das »Leben der Bücher«. – »Jedes Buch lebt so lange wie die Gegner, die es bekämpft.«
Der Satz setzt voraus, daß jedes Buch »gegen« jemanden geschrieben ist und aus dieser Gegnerschaft besteht und auf ihr beruhe.
Das zu meinen, ist ein Irrtum. Aber selbst wenn es so wäre in dem Sinne, daß jedes Buch etwas überwindet oder Ursprünglicheres sagt, könnte der Fall eintreten, daß ein Buch »gegen« Solches geschrieben wäre, was seinem Wesen nach zum Unvergänglichen,
20 [Burckhardt: Gestalten und Mächte. A.a.O.]