Dieser »Fügung« muß nun die noch verbleibende Kraft und Zeit gelassen werden, unabhängig davon, ob auch je noch eine Möglichkeit besteht, Einiges zu »veröffentlichen«. (Dezember 1945).
[87] Die Chemie der »Geschichte« — diese kann im Weltalter des Willens zum Willen nur erscheinen in der Gestalt einer Abfolge von Kettenreaktionen; ein Anti- bringt ein Contra- und dieses eine neue Gegen-bewegung auf die Bahn. Die Aktionen der »Moral« und der »Ordnung« sind nur Formen der metaphysischen Technik — deren Herrschaftsanspruch erleichtert, ja sogar gefordert wird durch die verbrecherische Ausartung des selben Willens zum Willen. Überall aber ist die selbe Seinsvergessenheit. Zur planetarischen Universalität der technischen Metaphysik gehört die Kultur, die am Goetheideal und an einer »Welt-literatur« festgemacht wird, womit sich dann leicht das »Christentum«, nicht die Christlichkeit, verbündet. Für den Chemismus der Geschichte bleibt wesentlich, daß notwendig auch der klassische Nihilismus, der in Nietzsches Metaphysik sich zu entfalten begann, als Gegen-bewegung sich selbst begriffen -Wertung von Werten — Um-wertung. Auch in der jetzigen Verwirrung ist nur der gewaltsame, seinerseits die »Macht« ergreifende Ausweg in einen abgestandenen Platonismus, der sich nur durch das »Anti-« rechtfertigt.
[88] Hölderlin. — Niemand inzwischen wagt mehr, seinen Namen zu nennen; auch solche, die zeitweise berührt wurden, aber niemals erschüttert, weichen ihm jetzt aus und flüchten zu Goethe zurück. Noch einmal wird Hölderlins Dichtung in die Nacht zurückgehen und vergessen bleiben, abgesehen von der unvermeidlichen Kulturfassade, in der auch sein Name und irgendein passendes Gedicht mit aufgenommen werden. Es sieht fast so aus, als wolle man Hölderlin, der vom »Vaterland« spricht, ohne daß ihm einer nachzudenken versucht, was im Wort »Vater« genannt ist, zu einem Nationalisten stempeln und zu einer Gefahr, die gar in die Notwendigkeit versetzt, den Deutschen und dem Abendland