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Anmerkungen I

gefaßte Antichristliche, was im Wesen nichts Geringeres ist als das Anfänglich-Griechische – der Anfang des Abendlandes, vor dem man ausweicht, sofern man das überhaupt kann, da man sich nie darum bemüht hat, es zu erfahren. Man redet aber noch von »Philosophie« und zugleich will derselbe Karl Jaspers die letzten 200 Jahre deutscher Geistesgeschichte ausstreichen.


Heid-egger32

einer, der auf unangebautes Land, Heide, trifft und diese eggt.

Aber der Egge muß er erst lang einen Pflug durch Steinäcker voraufgehen lassen.


Was da noch bleibt, nicht nur »inhaltlich«, sondern im Grundzug der Haltung und des Fragens – d. h. des Denkens – mag jeder selbst leicht ermessen. Jaspers gebärdet sich sogar noch großzügig, indem er in dem genannten Geheimbericht vermerkt, wenn die »akademischen Zustände« »erneuert« seien und ein entsprechender »öffentlicher Geist« gesichert, könne sogar überlegt werden, ob man wagen solle, zu erlauben, daß jenes »gefährliche« Denken »zur Geltung kommen dürfe«.33 Wohl als Kuriosum? oder als die Fassade der demokratischen Freiheit -nachdem alles gehörig in Ketten gelegt und d. h. doch ungefährlich gemacht ist. Da erwachen Zweifel, ob Jaspers je einen philosophischen Gedanken gedacht hat -oder ob er nicht von jeher nur eine »Psychologie« der Philosophie betrieben hat, die in der psychologischen Relativierung von Allem ein Instrument der existenziellen Selbstgerechtigkeit und ihrer fortgesetzten Rechtfertigung sich zugelegt hat, um zuletzt noch eine Psychologie des Scheiterns vor der Transzendenz anzubieten, welche »Transzendenz« das Sammelbecken aller verwirrten Gedanken einer überall nur halb und psychologisch verstandenen Metaphysik des Abendlandes ist. Glaubt man im Ernst, | das sei »Philosophie«? oder gar Denken?


32 [Die kurze Aufzeichnung befindet sich auf einem an dieser Stelle eingelegten Zettel.]

33 [Ebd.]


Martin Heidegger (GA 97) Anmerkungen I-V (Schwarze Hefte) (1942-48)

GA 97