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Anmerkungen I

Das Schwerste und Fragwürdigste unseres Geschickes - beruht darin, ob wir das Eigene finden und hüten; aber da dieses - ist ratend-hütend das Herz zu seyn, das unscheinbare - mit und unter den anderen »Völkern« -ob diese uns ins Eigene lassen. Oder ist dies nicht doch der verfänglichste Schein und Vorwand der Macht, daß man uns zu unserer eigenen Aufgabe bringen will - d. h. doch nur: als Entmachtete aufgenommen zu sein in den Weltmachenschaftsbetrieb?

Die größte Gefahr ist, daß das »große« »Man« uns gerade in unser Eigenstes nicht einkehren läßt und daß wir zugleich, immer noch geblendet, hinrennen und mitgehen wollen.

Sonst müßten ja die Fremden unser Eigenstes anerkennen - und selbst stutzig werden über sich selbst und den Rat bedenken und gar von sich selbst und ihrer Selbstigkeit ablassen! Vielleicht sollen wir gar nie mündig werden zum eigenen Sagen und unserer Sprache - und ihr Zu-Sagendes. Und wir - sehen erst recht nicht die »Enteignung« und Verfremdung, die sich anbahnt, indem wir darauf bauen, in der Weltdemokratie noch gerade geduldet zu sein als ihr Ableger. Diese unsere Willenlosigkeit ist gleich irrig wie das wilde Wollen des Nationalismus.


Um uns im unscheinbaren Kostbaren des gesparten Schatzes zu lassen, mußten wir sowohl erst das Eigene erfahren und zu ihm ge-freyt seyn, zugleich aber mußten die Fremden uns lassen im Sinne einer Hilfe, die eine nicht geringere freye-freyende - Gesinnung voraussetzte. Wie dunkel ist es über all diesem Einfachen - und dennoch - wie nahe ist diese Möglichkeit des einen eigenen Geschicks - das viel auszutragen verlangt.

Wäre z.B. die Verkennung dieses Geschickes - das uns ja nicht selbst gehörte, wäre das Niederhalten im Weltwollen - aus dem Geschick gedacht, nicht eine noch wesentlichere »Schuld« und eine »Kollektivschuld«, deren Größe gar nicht - im Wesen nicht einmal am Greuelhaften der »Gaskammern« gemessen werden könnte -; eine Schuld - unheimlicher denn alle öffentlich »an-prangerbaren« »Verbrechen« - die gewiß künftig keiner je entschuldigen


Martin Heidegger (GA 97) Anmerkungen I-V (Schwarze Hefte) (1942-48)

GA 97