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Anmerkungen III

Wort nicht überbestimme, es vielmehr in seiner Nähe zum kaum Gesagten lasse.


Weil man das Selbe sogleich als das Gleiche mißdeutet, meint man auch gern, das Selbe, das die Denker denken, lasse sich auf die Weise zeigen, daß man vergleichend das Gleiche hervorkehrt. Man legt z.B. Aristoteles nach »Sein und Zeit« aus, oder auch die Metaphysik des Leibniz. Man gleicht an, statt aus dem Andenken an das Selbe gerade und nur das Verschiedene zugänglich zu machen. Denn in diesem kommt uns das Selbe der Denker jäh und rein entgegen. Allerdings besteht dieses Verschiedene gerade nicht in der bloßen Andersartigkeit der Ansichten und der Lehren. Vgl. ob. 36, 20.


Alle Historie findet in der Geschichte stets nur das Gleiche. Sie nimmt das Verschiedene nur als die Staffage des Gleichen. Vielleicht ist auch alle »Geschichte« nichts anderes, als dieses von der Historie zugelassene Gleiche. Die magistrale Bedeutung der Geschichte beruht wohl auf der Servilität zur Historie, | darein [43] man sie zuvor gezwungen hat.


Die christlichen Kirchen sind die Sklavenhalter für den Großfaschismus.


Wie man in den Wald ruft, kommt es zurück. Das gilt nicht für die Sage des Denkens, wenn der Wald die Öffentlichkeit ist, deren Meinung keiner vor lauter Ansichten ausmachen kann. Wohl mag es gelten, wenn das Seyn der Wald ist. Aber dann ist auch die Sage des Denkens bereits und nur das Echo der Stille. Wie es dazu kommt, bleibt ein Rätsel.


Denker sind noch seltener als die »Dichter«; denn die Phantasie des Seyns ist das Nächste. Dies überspringen die Menschen eher denn das Übrige. Daher stammen wohl die vielen verunglückten philosophischen Begabungen. Die einen werden redselige und


Martin Heidegger (GA 97) Anmerkungen I-V (Schwarze Hefte) (1942-48)

GA 97