61
Anmerkungen VI

Denken ist geschicklich die be-wegende Sage des Unterschiedes in der Weise der Entsage . Vgl. V. H. II.

Inwiefern ist das Geschickliche seynsgeschicklich? (Vgl. ob. 73f.)

Insofern Seyn als Seyn eine, die frühe Jähe des Geschicks , d. h . der Ereignung der Enteignis aus Stille des Ratsals ist.

Dieses Wesen von Geschick ist das Wesen der Geschichte - als der ereignishaft zu erfahrenden Welt -Geschichte.

Geschickliches, d. h. enteignetes, enteignet-bewegendes Den ken, ist deshalb immer zugleich seyns-geschickliches Denken; solches ist es nur in der Wesensfolge, insofern es das Geschick in seiner Kehre und diese selber zu denken hat. Die Kehre aber ist Kehre der Vergessenheit des Unter -Schiedes, d. h. des Seyns. Noch ist das Geschicklich mißdeutbar (105). Das geschicklich-be wegende Denken beginnt, Sein und Zeit denkend, seynsgeschick lich, erfährt erst dieses seynsgeschickliche Ereignis als ein solches und gelangt so erst auf seinen Weg der Sage des Unter-Schiedes (V. H.). [Diese sind, | wenn man es um jeden Preis so haben und 98 am Vorigen hängen bleiben will, der vielverlangte »II. Teil von Sein und Zeit «. Im Wesen des Weges liegt , daß dieser II. Teil nur ein gewandert-gewandeltes Unter-Wegs des Weges ist , welches Unterwegs den Weg be-wegt und d. h. als den Selben verandert.]

Die Sage des Unterschiedes ist seinsgeschichtliches Denken, weil es seyns geschickliches Denken ist. Solches aber ist es, weil es geschickliches, in das Be-wegen von Welt vereignete Sage der Sprache der Stille ist.

Welt aber sagt hier: das in das Enteignen der Stille ereignete Geviert des Unter-Schiedes.

Welt ist, seynsgeschicklich gedacht, die enteignende Wahrnis (Ratsal) des Seyns.

Das seyns geschickliche Denken, das wir vielleicht in Einigem versuchsweise vermögen, erfährt erst Welt; solches Denken findet erst be-wegend den Unter-Schied in sie. In der Sage den Unter-Schied er-fahren, das ist: Welt finden; nie als Befund eines Vorstellens, sondern in sie finden, als die Unter-Kunft, das enteig - nende Sich-Nahen | der Stille in das Ratsal des Ereignisses.


Martin Heidegger (GA 98) Anmerkungen VI-IX (Schwarze Hefte) (1948/49-1951)

GA 98