14
Vier Hefte I

Im Eigentum hat sich die Vergessenheit des Unterschieds ereignet.

Das Ding und die Nähe.

Das Ding (weder Allgemeines noch Besonderes; weder Abstraktes noch Konkretes), vgl. 29.


Das Ding tritt nicht an die Stelle des Seienden (ὄντα); denn dieses ist mit dem Sein im Austrag zum Unterschied vergessen.


Das Ding: das Eigentum: das Bei-Spiel

Das Weltische des Bei-Spiels.


Wenn wir lesen, hören wir mit den Augen; dieses Hören hört scharfer, hört stetiger —

Wird darum das Gesprochene des Lesbaren wesentlich hörbarer?

Spricht darum das geschriebene Gespräch lauter, vernehmlicher, weil es stiller spricht?

Aber welches Gespräch ist ein geschriebenes? Nur das aufgeschriebene? Nur das, das ein gesprochenes möglichst getreu nachahmt?

Oder spricht das geschriebene Gespräch eine andere Sprache? Spricht es die Sprache anders? Spricht es die Sprache als das Gespräch der Welt?

Aber wie Vieles bleibt doch ungeschrieben? Ist das nicht das Lebendige im Sprechen — Melodie und Rhythmus? die ganze Gebärde des Verlautens? Gleichwohl —




Inwiefern liegt über dem Unscheinbaren der verfänglichste Schein? Schon wenn du es nennst, bist du ihm verfallen und der Name »das Unscheinbare« gehört zu den großtuenden Wörtern!

Das Unscheinbare ist am ehesten gewahrt im Unverständlichen, das nie verständlich wird, weil es verlangt, in die Sache, den Unter-Schied, zu gehören. (14)


Martin Heidegger (GA 99) Vier Hefte I Und II