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Vier Hefte I

Des Seyns gedenken heißt: daß wir aus dem Ge-Wesen in die Ankunft der Kehr zum Wohnen gelangen.

Seyn denken sagt u. a.: Seyn nicht mehr wie Sein als Seiendheit (εἶδος) im Gegenüber des Vorstellens aufsuchen, sondern die Sage der Welt in die Ruhe des Ereignens einlassen; eher noch; das Seyn in dieser Ein-Gelassenheit in die Welt erfahren.

Welt als die Gelassenheit des Dinges. 56.

An-denken: der Ankunft angehoren. 54.


Was ist, wenn das Mißliche des Unterschieds noch nicht vermißt wird? Dann ist Vergessenheit. Jenes noch nicht Vermissen ist von ihr verweigernd ereignet. Das Mißliche des Unterschieds besteht in der Frühe darin, daß Anwesen und Anwesendes im ἐόν aneinandervorbei wesen und eines das andere doch gerade ersetzt und der Wechsel verborgen bleibt.

Vermissen: nicht vorbeigehenlassen, im »Bei« des Anwesens das Wesende als Abwesendes behalten, behaltend zu ihm anwesen — vgl. 94.


Ἀλήθεια und Kehre. Kann die Unverborgenheit des Unverborgenen als Unmittelbarkeit vorgestellt werden, insofern ihre Statte und d. h. sie als die Statte (ereignete) noch nicht vorgestellt und zugunsten des Vernehmens des Anwesenden vergessen bleibt. Oder muß jede Hinsicht auf Mittel und Mittelbarkeit und Vermittelung, muß die Subjektität des Selbstbewußtseins des Vorstellens hier nicht wegbleiben.

Anderen Wesens ist das Vergessen des Austrags und d. h. des Ereignens, d. h. schon des entbergend-bergenden Bringens des Gelichtes und seiner Wahrnis (Freye).

Dieses Vergessen als das (Ereignis) der Verwahrlosung.


Gelassenheit, sei jetzt nicht mehr der Name für eine menschliche Haltung im Verhältnis zum Seienden — sondern das Welten der Enteignis.


Martin Heidegger (GA 99) Vier Hefte I Und II