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Vier Hefte I

anwesende (noch nicht gedacht aus Ankommen- Weggehen-aus Übergang des Weilens), sondern auf das je Angekommene, Ständige eingeschrankt. Dieses Anwesende ist das Gegen-wartige im Unterschied zum an- und abwartigen. Gegen über dem her- und vor-stellend vernehmenden [und so anwesenden zu Anwesendem] Menschen — der gesehen hat (Fιδ) und so das Anwesende im Aussehen gegenwartig hat, welches Aussehen dann die Gegenwart als besondere Anwesenheit ausmacht.


Anwesen zu Anwesen; aber ekstatisch;

»Gott« zu »Seele«; aber ereignishaft.


Kann man sagen, die Metaphysik und alle Philosophie bisher bleibe in der Seinsvergessenheit? 1st es nicht ihr einziges Anliegen, nach dem Sein des Seienden zu fragen und es zu bestimmen? Allerdings.

Wenn aber gleichwohl alles in der Seinsvergessenheit verbleibt, dann kann hier »Sein« nicht bedeuten: die Seiendheit des Seienden, sondern das Seyn: d. h. den Unterschied zwischen Seiendem und Sein, aus dem sie ent-schieden.

Seinsvergessenheit ist Vergessenheit des Unterschieds. Vergessenheit aber ist kein Mangel und keine Unterlassung; sondern ein hohes, weil das erste Geschick des Seyn.

Entbergung hat schon mit Bergung, d. h. Welt-Verweigerung begonnen.


Die Rede von Sein laßt dieses wahr-los; sie denkt nicht an die Wahrnis des Seins als Sein des Seienden, als des Seienden in Sein.

Die Rede setzt Sein sogleich mit dem seiendsten Seienden gleich und denkt wieder nicht an Seyn, oder nimmt es als das Allgemeinste alles Vorgestellten als solchen und denkt wieder nicht Seyn; weder im ens entium noch im ens commune.


Überall bleibt das Denken entlassen in das Vorstellen. Darum wird es (aus der Verwahrlosung her) je und je herstelliger und


Martin Heidegger (GA 99) Vier Hefte I Und II