126
Vier Hefte II

Vermenschung vor von Seiendem und Sein? Oder ist anderes gewagt und hart beides nebeneinander gestellt? Wenn Dasein der thematische Titel ist dessen, was von der Erläuterung des Seins in seiner Wahrheit veröffentlicht wurde, dann muß wohl Dasein zugleich als Seiendes und als Sein gedacht bleiben.

Dasein ist Sein, insofern es das Da (das Gelicht von Sein als solchem) seiend, zum Wesen des Seins im Sinne der Differenz gehört und, dergestalt zum Seyn gehörig, das Wesen des Menschen für das Da, es zu sein, beansprucht. Vgl. Anmerkungen VI, 17.

Dasein ist Seiendes, insofern der seiende (eksistierende) Mensch als geschichtlich seiender das Da-sein ist. »Das menschliche Dasein « ist hier nicht, wie in der gewöhnlichen Redeweise, gegen anderes »Dasein« (tierisches, pflanzliches) unterschieden, sondern das Dasein ist menschlich, insofern der Mensch im Wesen dem überantwortet ist, das Da- in seiner Weise als Seiender inmitten von Seiendem zu sein. Darum kann die Analytik des Daseins, wenn sie existenziale ist, von diesem Seienden ausgehen; dies aber nur, weil sie in die Wahrheit des Seins ein-| gegangen ist, welche Wahrheit als Lichtendes Bergen in der Ekstatik der Temporalität der Zeit gesucht wird, von der her Da-sein zeitlich und Sein (Anwesen, Ab-, Her- und Hin-wesen) temporal zugleich bestimmt sind. A ber diese Bezüge sind erst nur in Hinweisen gezeigt, durch ein Sehenlassen, das in das Sein als Er-scheinen (Ereignen des Gelichts) blickt. Phänomen und Phänomenologie sind hier bereits aus dem Fragen nach Wahrheit des Seins (Unverborgenheit des Anwesens als solchem) alethetisch weisend gedacht.


Ἀλήθεια - Ποίησις - Im Willen zum Willen ist die Ποίησις zum Sichzusammennehmen in das Sichdurchsetzen in der Weise des Gestells geworden - das Anwesen bestimmt sich aus dem Gestell als die diesem gemäße ständige Beständigung der Bestandsicherung des stets gleichförmigen Bestandes. Ἀλήθεια ist Sicherung im Gestell.


Martin Heidegger (GA 99) Vier Hefte I Und II