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Vier Hefte II

Seinsvergessenheit ist Vergessenheit »des« Unterschieds.

Sie gehört zur Wahrnis des Seins, ist deren Anfang, in der Gestalt der Un-Vergessenheit, die am entschiedensten sogleich die Vergessenheit wegfallen läßt, zumal die Unvergessenheit als Unverborgenheit das Unverborgene als das Anwesende her-vorbringt.


Das Anwesende aber bleibt gemäß dieser Her-vor-kunft das Anwesende als ein solches, nur daß dieser Zug erst spät eigens im ᾗ des ὂν ᾗ ὄν und im ὄντως ὄν genannt wird.

Vergessenheit ist das Ereignis in seinem sich verweigernden und Verweigerung verstellenden Anfang.

Die Vergessenheit erfahren heißt:

in den Zuspruch des Unterschieds zu stehen kommen.


Einfalt des Unter-Schiedes ist nie Ein-heit, nicht das für sich wesende Einigende, das alles einigt. Einfalt gehört in die Enteignis — ist Schied — und ereignet weltisch das Un-vereinbaredes Gevierts, wahrt dieses im Eigentum des Dinges.


sein, etre, esse, εἶναι (vgl. 97) hat von früh an den Ton des Ständigen. Stehenden (gegen Fließen und Übergehen). Das Ständige müssen wir aus dem Anwesen denken: Ἀλήθεια — Φύσις: Hervorbringen in das Anwesen: zum Stande im Anwesen bringen: Ποίησις: die ständige Anwesenheit, die anwesende Ständigkeit. (81)


Der Unter-Schied: die Enteignis des Zwischen aus dem Geviert als Ereignis des Eigentums.


Ereignis ist: Ereignis des Eigentums; also doch Ereignis von etwas? nein; der Genitiv ist der des Einzigen und darum nicht aus anderem bestimmbar — vor allem weder subjektiv noch objektiv. 81

Aber darin west das Ratsal des Unterschieds; freilich nicht so, als ließe sich Ereignis für Sein und Eigentum für Seiendes setzen;


Martin Heidegger (GA 99) Vier Hefte I Und II

GA 99