Möglichkeiten, Daseinsmöglichkeiten sind nicht Tendenzen oder Vermögen in einem Subjekt. Sie ergeben sich sozusagen immer erst von >draußen< her aus der jeweiligen geschichtlichen Situation des Sich-verhalten-könnens und Wählens, des Verhaltens zu dem Begegnenden.

Siehe zu Lichtung und Zeitlichkeit: »Sein und Zeit« S. 408.Zeitigung als Sich-zeitigen ist Sich-entfalten, aufgehen und so erscheinen.

Natura (lateinisch) kommt von nasci = geboren werden, φύσις → φύειν (griechisch) = auf gehen im Sinne des aus der Verborgenheit ins Unverborgene Kommen. Weder bei natura noch bei φύσις besteht dem Worte nach ein Zusammenhang mit Zeit.

Wissen hängt mit ›wit‹ → videa (Sanskrit vydia) zusammen. Dabei ist im Griechischen bei der ἰδέα das ›v‹ verschwunden. Immer heißt es: etwas ins Licht stellen. Das Zurechtfinden ist erst eine Folge des Sehens, ›Bewissens‹, darin gleiche Form wie ›beschreiben‹ = mit einem Licht umgeben. (Vgl. M. Bleulers Aufsatz über Bewußtseinsstörungen.) Bewußtsein setzt Lichtung und Dasein voraus und nicht umgekehrt.

Besser als von Möglichkeiten als den Konstituentien des Daseins zu sprechen, sagt man Sein-können, immer im Sinne von In-der-Welt-sein-können. Das jeweilige Sein-können wird erblickt aus dem jeweiligen, geschichtlichen gerade so und so Dasein in der Welt. Geschichtlich ist die Art und Weise, wie ich zu dem, was auf mich zukommt und was gegenwärtig ist, und zu dem Gewesenen mich verhalte. Jedes Sein-können zu etwas ist eine bestimmte Auseinandersetzung mit dem Gewesenen im Hinblick auf etwas auf mich Zukommendes, zu dem ich mich entschließe.

›Möglichkeiten‹ im modalen Sinne der Metaphysik, d. h. in Abhebung der beiden anderen ›Seinsmodi‹: Notwendigsein und Wirklichsein, bezieht sich immer auf ein Herstellen durch den Menschen oder durch den Schöpfer-Gott. Möglichkeiten im existenzialen Sinne sind immer ein geschichtliches In-der-Welt- -sein-können. Aus der Art, wie ich das auf mich Zukommende


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